03.08.2018 - Abteilung Fußball

Sollner Ausbildungsoffensive ein Meilenstein

Mit der Wahl durch die Mitglieder der Fußballabteilung des TSV Solln sind seit dem 25. April Marcus Schulz als Abteilungsleiter, Michael Maier als stellvertretender Abteilungsleiter und Christian Jung als Jugendleiter im Amt. Zudem wurden Benedikt Schneiderbauer und Sebastian Seidel für die neu geschaffene Funktion der Sportlichen Leitung Jugend bestimmt. Seitdem sind nun einhundert Tage vergangen – höchste Zeit für eine Zwischenbilanz! Andreas Leikert sprach mit ihnen.

Eure Ämter im TSV Solln übt Ihr nun schon seit einhundert Tagen aus. Wie bewertet Ihr Eure damalige Wahl und das damit in Euch gesetzte Vertrauen der Mitglieder im Rückblick? Und wie habt Ihr die ersten Wochen und Monate für Euch persönlich erlebt?

Christian Jung: Das einstimmige Vertrauen der Mitglieder war natürlich sehr erfreulich, ist aber auch eine hohe Bürde. In so einem großen Verein ist es schwierig, es Jedem Recht zu machen – wahrscheinlich darf man mit diesem Anspruch aber gar nicht erst an die Sache herangehen. Jedenfalls: Ein zentraler Punkt unserer Amtsübernahme war und ist das Thema Kommunikation, dass also stets miteinander und nicht übereinander geredet wird. Und allein in dieser Hinsicht sind die ersten hundert Tage sehr gut gelaufen.

Marcus Schulz: Fest steht, dass die bisherigen Wochen insgesamt äußerst zeitintensiv gewesen sind. Da wir uns in viele Prozesse erst hineinarbeiten mussten und die diesbezügliche Routine noch fehlte, hat das natürlich viel Zeit in Anspruch genommen. Somit ist auch das ein oder andere Thema mehr liegen geblieben, als uns lieb war.

Christian Jung: Man darf nicht vergessen, dass schon kurz nach dem Führungswechsel die zahlreichen neuen Trainerbesetzungen anstanden, dann die Meldung der Mannschaften beim Verband sowie die Gestaltung des Sportanlagen-Belegungsplanes für Trainingszeiten und Spiele – mit dem Versuch, allen Beteiligten gerecht zu werden. Zusätzlich hatten wir genau in der Phase des Saisonwechsels auch noch das große Benefiz-Spiel gegen die SpVgg Unterhaching und unseren KEBOS Sommer-Cup auf der Agenda. Die Illusion, dass es wenigstens danach etwas ruhiger werden würde, hat sich außerdem schnell aufgelöst. Es geht immer weiter.

Mal ehrlich: Habt Ihr es da nicht schon einmal bereut, Euch für die Ämter zur Verfügung gestellt zu haben?

Christian Jung: (lacht) Höchstens mal ein paar Minuten lang, wenn der Berg an Arbeit schier unbezwingbar erschien. Aber das ist spätestens vorbei, wenn Du siehst, wie viel Spaß die Sollner Kids am Fußball haben – da weiß man als Jugendleiter wieder, wofür man das alles tut.

Marcus Schulz: Ich kann für mich ebenfalls sagen: Bereut auf keinen Fall. Ehrlicherweise ist es aber ein ständiges Auf und Ab: Auf durchaus frustrierende Momente folgen wiederum Momente des Glücksgefühls, wenn man einem gesetzten Ziel einen weiteren großen Schritt nähergekommen ist.

Michael Maier: Klar denkt man in einigen Situationen mal darüber nach, aber ich wiederum kann sagen: Ich habe beim TSV Solln von Kleinauf so viel Positives erlebt, an was ich mich heute noch sehr gerne zurückerinnere – das ist es einfach wert, dass man dies auch wieder für kommende Generationen erlebbar macht.

Und wie ist es mit Euch, Sebastian und Benedikt? Als sportliche Leitung im Nachwuchsbereich hat man ja ebenfalls nicht nur einfache Aufgaben zu bewältigen, sondern vor allem auch viel Überzeugungsarbeit zu leisten.

Benedikt Schneiderbauer: Die Freude über die Aufgabe und über das, was wir alles bewirken können, überwiegt eindeutig.

Sebastian Seidel: Einfach ist es aber trotzdem nie, vor allem, wenn man negative Rückmeldungen bekommt, sobald mal etwas nicht optimal läuft. Wir wollen Niemanden mit Innovationen ärgern, die wir im Nachwuchsbereich umsetzen wollen, aber wir werden auf jeden Fall versuchen, unsere Ideen zum Wohle des Vereins einzubringen.

Gab es denn bis jetzt auch schon Entscheidungen zu treffen oder Dinge zu regeln, die Euch richtig schwergefallen sind bzw. die Euch herausgefordert haben?

Marcus Schulz: Durchaus. Gerade die Entscheidung der Trainer-Neubesetzung der ersten Herrenmannschaft hat mich viele schlaflose Nächte gekostet. Aber ich habe bisher noch keine Entscheidung bereut oder nachträglich an deren Richtigkeit gezweifelt.

Christian Jung: Ich kann so einen Fall für unsere U8-Teams schildern, wo nach der vergangenen, in der neuen Spielform FUNino ausgetragenen Saison jetzt die Entscheidung ansteht, ob die Teams in der neuen Saison abermals eine innovative, wenn auch erst noch zu Ende zu entwickelnde Wettbewerbsform betreiben oder ob sie ins ganz normale Kleinfeld-Spiel 7 gegen 7 gehen. Hier gibt es viele Pros und Contras und es ist fraglich, welcher Weg der richtige ist. Wir werden sehen.

Für Eure Einarbeitung blieb ja tatsächlich nicht allzu viel Zeit. Allein mit dem Saisonwechsel zum 1. Juli standen wie erwähnt wichtige Entscheidungen an und mussten viele Dinge geregelt werden. Wie war so etwas überhaupt zu schaffen? Ich meine, Ihr seid im Verein schließlich auch noch Trainer und meist Spieler, habt Freunde und Familien und so weiter.

Marcus Schulz: Einerseits haben wir dank unserer Vorgänger alles andere als bei null angefangen. Andererseits lässt sich im Team natürlich einiges auffangen. Wir schreiben das „Wir“ sehr groß, deswegen haben wir des Öfteren sogar auch noch weitere Leute in die ein oder andere Entscheidung mit einbezogen.

Michael Maier: All die Aufgaben lassen sich nur gemeinsam schaffen. Wie du schon sagst, wir fünf sind im Verein als Trainer bzw. Spieler integriert und engagiert. Leider kann man da nicht immer auf allen Hochzeiten tanzen, aber das wird sich bessern. Gott sei Dank bringen auch unsere Partnerinnen Verständnis für unser Vereinsengagement auf. Und ganz wichtig: Wir haben schon in den ersten Tagen sehen können, dass viele Trainerkollegen mitanpacken und den Verein wo es geht unterstützen wollen – das ist sehr ermutigend.

Wie oft stimmt Ihr Euch persönlich zu den jeweils anstehenden Entscheidungen ab, habt Ihr regelmäßige Treffen?

Marcus Schulz: Wir treffen uns regelmäßig, aber vor allem halten wir uns per E-Mail und Messenger auf dem Laufenden. Wenn man da mal einen halben Tag lang nicht reinschaut, hat man schon mal einige Nachrichten zu lesen und zu bearbeiten…

Christian Jung: Der Teamgedanke war und ist uns allen sehr wichtig. Entsprechend kommunizieren wir im Prinzip sieben Tage die Woche – es gibt immer etwas abzustimmen oder zu klären. Darüber hinaus haben wir drei Hauptverantwortliche für den Jugendbereich schon mehrmals Telefonkonferenzen abgehalten, wenn etwas diskutiert werden musste, was nicht über die Tatstatur möglich gewesen wäre.

Sebastian Seidel: Wir hatten ja schon weit vor der Wahl regelmäßige persönliche Treffen zu fünft, um über Pläne und Konzepte zu sprechen. Der persönliche Austausch von Angesicht zu Angesicht wurde in letzter Zeit zwar eher weniger, da wir ja auch noch Teams zu betreuen haben, die zu verschiedenen Zeiten trainieren, aber das hat sich letztlich nur auf andere Kanäle verlagert. Wir treffen uns trotzdem oft genug in kleineren Gruppen, telefonieren viel und sind sowieso täglich auf schriftlichem Wege in Kontakt.

Bei all den operativen Themen: Ihr seid ja auch angetreten, um übergreifende und durchaus zukunftsweisende Projekte umzusetzen. Dazu zählt ja auch ein Ausbildungskonzept für die Nachwuchsarbeit, so wie Ihr es schon bei Eurer Wahl kurz angesprochen habt…

Christian Jung: …und hier sehen wir uns auch auf einem sehr guten Weg: Insbesondere bei den kleinsten Fußballern im Verein und an der Zugangsschwelle zum TSV Solln haben wir schon einiges umsetzen können. Stichwörter sind unsere internen, dienstäglichen FUNino-Festivals, der künftige Fußballkindergarten in Kooperation mit den Profis der Fußballschule Grünwald und unser Freizeitkick jeden Freitagnachmittag, um den Straßenfußball in moderner Form wieder aufleben zu lassen.

Sebastian Seidel: Das Ausbildungskonzept soll nicht weniger als ein Meilenstein in der Geschichte der Sollner Fußballjugend sein und läuft übrigens unter dem Hashtag #sollnerausbildungsoffensive. Teilweise haben wir ja schon mit der Umsetzung begonnen, wie Christian eben beschrieben hat. Der offizielle Start des neuen Konzepts ist aber erst nach den Sommerferien im September, wo ein Kick-Off-Meeting für alle Jugendtrainer stattfindet. Es kommt ganz sicher noch viel Arbeit auf uns zu, aber mit all den engagierten Trainern, die wir im Verein haben, sind wir sehr zuversichtlich, dass wir das auch umsetzen können.

Benedikt Schneiderbauer: Unser Ziel ist klar: Wir wollen „Der Ausbildungsverein im Münchner Süden“ sein, eine richtige Marke. Dazu haben wir Leitlinien ausgearbeitet, an denen wir uns orientieren wollen. Ein wichtiger Bestandteil ist das Trainingskonzept. Wir hinterfragen uns dabei ständig selbst und altbekannte „Weisheiten“ bzw. Abläufe werden auf den Prüfstand gestellt. Unser Anspruch ist es, den Nachwuchsspielern beim TSV Solln die bestmögliche Ausbildung zu bieten. Die „Sollner Spielphilosophie“ stellt eine weitere Säule des Konzepts dar. Damit ist keine bestimmte Formation oder Spielweise gemeint, stattdessen haben wir uns Prinzipien überlegt, die die Ausbildung der Spieler bestmöglich unterstützen sollen. Jeder Trainer kann sie dann so auslegen, wie sie zu seiner Spielidee passen. Die Sollner Mannschaften sollen an diesen Prinzipien immer erkannt werden. Zu guter Letzt gehört zum Konzept auch eine gute Ausbildung der Trainer. Regelmäßige Fortbildungen, Austausche untereinander sowie Anwerbung und Förderung von jungen Trainern aus den eigenen Jugendmannschaften sind einige Stichworte dazu.

Nun habt Ihr es aufgrund der Größe der Sollner Fußballabteilung mit einer Vielzahl an Nachwuchscoaches und damit auch Ansichten zu tun. Die Trainer sind ja zudem rein ehrenamtlich engagiert und stellen sich freiwillig in ihrer Freizeit auf den Platz. Wie stellt Ihr da sicher, dass Eurer Konzept nachverfolgt und quasi verinnerlicht wird?

Benedikt Schneiderbauer: Natürlich haben wir Trainer auch mit unterschiedlichen Meinungen. Und das ist gut so und auch wichtig für ein Vorankommen. Was wir aber bereits bei unserer Wahl deutlich gemacht haben ist, dass wir unsere Ziele nur gemeinsam erreichen können. Den Trainern müssen daher die Vorteile verdeutlicht werden, die eine systematische, gemeinsame Arbeit mit sich bringt – etwas, was es in dieser Form so bisher noch nicht gab. Das „Kick-Off-Meeting“ im September mit allen Trainern soll dann gezielt noch einmal das „Wir-Gefühl“ wecken, vor allem aber sollen die Grundprinzipien unserer Arbeit konkret vorgestellt werden. Verfestigt wird das dann durch regelmäßige Fortbildungen und Treffen in kleineren Gruppen. Am wichtigsten aber ist stets der direkte Dialog. Ausbildung ist ein Prozess – das gilt für die Spieler als auch für die Trainer. Nur durch ständiges Hinterfragen und Weiterbilden wird man sich und das Konzept entwickeln.

Sebastian Seidel: Man wird die Fortschritte der Mannschaften dann auch bald erkennen, nur braucht man dazu vielleicht etwas Geduld. In unserer Spielphilosophie steht zum Beispiel, dass das Spiel primär flach eröffnet werden soll, viele Trainer setzen das ohnehin schon um. Zu Beginn wird man hier immer erstmal einige Gegentore bekommen, darüber muss man jedoch hinwegsehen und als Trainer und Elternteil seinen eigenen Ehrgeiz zurückschrauben. Mit der Zeit, wenn die Kinder eingespielt sind und sich daran gewöhnt haben, wird sich die Fehlerquote deutlich minimieren – und dann lernen die Kinder erst richtig Fußball spielen!

Marcus Schulz: Letztlich sprechen wir beim Ausbildungskonzept ja nicht von einer Revolution, sondern von einer Weiterentwicklung. Auch durch Vorleben gilt es, jeden Einzelnen nicht nur zu überzeugen, sondern für die Konzept-Idee zu begeistern. Dies geht aber sicher nur im persönlichen Dialog.

Welche „Projekte“ habt Ihr denn sonst noch in Angriff genommen bzw. Euch zumindest vorgenommen? Was betrachtet Ihr als die wichtigsten anstehenden Vorhaben?

Marcus Schulz: Hier gibt es durchaus noch einige Vorhaben, auch abseits des Ausbildungskonzeptes im Nachwuchsbereich. Zum Beispiel gilt es, die teilweise bereits entstandene Aufbruchstimmung bei den Erwachsenenteams weiter zu stärken und ein noch engeres Zusammenrücken im Sinne eines „Wir-Gefühls“ zu erzeugen. Darüber hinaus will ich den TSV Solln auch wieder mehr in der Sollner Gemeinde verankern: In Solln lebende Menschen sollen den TSV als positives und präsentes Aushängeschild ihrer Gegend wahrnehmen, selbst wenn sie selbst nicht im Verein aktiv sein sollten. Die Fußballabteilung will einen wichtigen Beitrag dazu leisten, was auch bereits auf Gesamtvereins-Ebene geplant ist.

Christian Jung: Ich kann da auch noch einmal auf die jüngsten Fußballer im Verein verweisen: Unsere Beteiligung zusammen mit dem BFV und anderen Vereinen im Kreis München an der Entwicklung einer neuen Wettbewerbsform, als logische Konsequenz von FUNino – das ist ein ganz spannendes Projekt.
Sebastian Seidel: Wir würden außerdem gerne einen Förderverein für die Sollner Fußballjugend einrichten, damit wir unsere Trainer und Teams finanziell besser unterstützen können. Dass das funktioniert, zeigen auch Beispiele einiger anderer Vereine.

Zum Abschluss: Wo seht Ihr fünf den TSV Solln in drei bis fünf Jahren?

Marcus Schulz: Sportlich: mit allen ersten Jugendmannschaften in Kreisklasse und Kreisliga, mit den Herren in der Kreisliga und mit den Frauen in der Bezirksoberliga. Darüber hinaus sehe ich den TSV Solln als attraktives Ziel für Trainer und Spieler mit dem guten Ruf, als starke Gemeinschaft aufzutreten und zu agieren.

Benedikt Schneiderbauer: Der TSV Solln soll auf jeden Fall eine zentrale Anlaufstelle für talentierte und fußballbegeisterte Spieler sowie Trainer sein. Sowohl im breitensportlichen als auch im leistungsorientierten Bereich. Die Spieler sollen bei uns eine sehr gute Ausbildung erhalten und sich dabei auch mit den Werten des Vereins identifizieren.

Sebastian Seidel: „Der Ausbildungsverein im Münchner Süden“ soll letztlich nicht einfach nur ein Slogan, sondern wirklich mit Leben gefüllt sein. Bei den Jüngsten wollen wir uns wieder in allen Jahrgängen mit den besten Teams Münchens messen können und mit allen Großfeldteams wie gesagt auch endlich wieder mindestens in Kreisklasse und Kreisliga starten.

Michael Maier: Ich sehe es außerdem als enorm wichtig an, eine stabile Verbindung zwischen der Jugend und den Erwachsenenteams zu erhalten. Das Ziel muss es sein, die Jugendlichen später auch in den Sollner Herren- bzw. Frauenmannschaften spielen zu sehen. Schon in den jüngsten Jahrgängen sollten die Burschen die Herrenmannschaften und die Mädels das Frauenteams als Vorbild haben – ganz nach dem Motto „da will ich später auch mal spielen“. Wie heißt es so schön: „Einmal Sollner, immer Sollner“…

Als Verantwortliche habt Ihr darauf ja direkten Einfluss. Da bleibt mir nur viel Erfolg für die Gestaltung der Fußballabteilung und für all Eure Vorhaben zu wünschen. Habt vielen Dank für das Gespräch!